Archivebestände

Das Herausbilden der Archivbestände des Museums Stutthof sowie ihre spätere Bearbeitung haben ihre spezifische Geschichte, die in hohem Maße auf das Schicksal der Lagerdokumente während der Zeit der Evakuierung des KL Stutthof und auf ihre spätere Aufbewahrung zurückzuführen ist.
Die Vorbereitungen für die Evakuierung des Lagers wurden Anfang Januar 1945 getroffen. Zu diesem Zeitpunkt wurden u. a. Teile der Akten der Politischen Abteilung und des Krankenreviers verbrannt. Der Rest der Dokumentation wurde verpackt und dorthin gebracht, wohin auch die Häftlinge geschickt wurden. Im Frühjahr 1945 wurden die Dokumente von der sich auf der Flucht befindenden SS-Lagermannschaft in einem Straßengraben in der Nähe von Lauenburg (Lębork) zurückgelassen. Sie wurden von der Roten Armee gefunden und an den Hauptvorstand des Polnischen Roten Kreuzes (ZG PCK) mit Sitz in Warschau übergeben. Von dort aus kamen die Dokumente in das Archiv der Hauptkommission zur Untersuchung der Nazi-Verbrechen in Polen, wo sie bis 1965 blieben. Die Dokumentation bezüglich der Registrierung der Häftlinge wurde weiterhin beim Hauptvorstand des Polnischen Roten Kreuzes aufbewahrt.
Das Museum Stutthof in Sztutowo wurde am 12. März 1962 gegründet. Eine seiner Aufgaben war laut Satzung die Sammlung und Bearbeitung der erhaltenen Dokumentation des Konzentrationslagers Stutthof sowie aller mit dem Lager verbundenen Materialien. Ende der 60-er Jahre fokussierte die Gedenkstätte ihre Anstrengungen vor allem auf die Zurückgewinnung der erhaltenen Akten, die sich in anderen Archiven befanden. Eine offizielle Genehmigung für die Sammlung, Aufbewahrung und Bearbeitung der Dokumente des ehemaligen KL Stutthof erteilte die Generaldirektion der Staatsarchive am 3. August 1964. In den Jahren 1979-1989 wurden sämtliche Lagerakten auf Mikrofilm archiviert.
Das Archiv umfasst zurzeit 69 000 Archiveinheiten im Umfang von 125 lfm. Den Hauptteil der Bestände bilden die Akten des Komplexes Konzentrationslager Stutthof. Die restliche Dokumentation besteht aus vier Komplexen: Fragebögen der ehemaligen Häftlinge, Häftlingsdokumente, Berichte und Erinnerungen und Sammlungen.

Komplex Konzentrationslager Stutthof (67 828 Archiveinheiten)
Die Sammlung bilden Akten der ehemaligen Lagerkanzlei aus den Jahren 1939-1945. Die Dokumente wurden nach der inneren Struktur des Lagers geordnet:
Abteilung I – Kommandantur
Abteilung II – Politische Abteilung
Abteilung III – Schutzhaftlager
Abteilung IV – Verwaltung
Abteilung V – Lagerarzt
Abteilung VI – Schulung
SS-Wirtschaftsbetriebe

Häftlingsdokumente
Die Sammlung besteht aus Dokumenten, die zwar die Häftlinge betreffen, aber nicht zur Dokumentation des Komplexes Konzentrationslager Stutthof gehören und nicht von der Lagerkanzlei ausgingen. Sie wurden nach folgendem Schema geordnet:
Legale Korrespondenz: Postkarten; Briefe, die auf Lagervordrucke geschrieben und an die Familie geschickt wurden; eingehende Briefe;
Illegale Korrespondenz: Briefe und Kassiber;
Widerstand: Gedichte, Lieder, Gebetstexte und Zeichnungen;
Andere Dokumente, die nicht im Lager entstanden, wie z. B. Geburtsurkunden, Ausweise des Verbandes der Kämpfer für Freiheit und Demokratie (ZBoWiD).

Fragebögen der ehemaligen Häftlinge
Die Sammlung besteht aus Fragebögen, die in den Jahren 1962-1972 von ehemaligen Häftlingen ausgefüllt wurden. Die gewonnen Informationen ermöglichten, das im Lager geführte Evidenzbuch zu ergänzen. Ausgefüllt wurden ca. 800 Fragebögen.

Berichte und Erinnerungen
Die Sammlung bilden ca. 1000 Erinnerungsberichte von Überlebenden des Lagers. Sie besteht aus Audio- und Filmaufnahmen, Mikrofilmen, originalen und kopierten Textberichten und Erklärungen. Das Archiv verfügt zurzeit über ca. 650 Erinnerungsberichte. Ein Teil davon wurde abgeschrieben und in 27 Bände gefasst.

Sammlungen
Thematisch handelt es sich hier um eine heterogene Sammlung. Sie besteht aus originalen Dokumenten und Abschriften, Fotokopien und Fotografien. Die Dokumentation ist nach folgenden Themen gegliedert:
I. Freie Stadt Danzig
II. Widerstand
III. NS-Besatzung
IV. Zweiter Weltkrieg
V. Stutthof
VI. Andere Konzentrations- und Vernichtungslager
VII. Andere Lager und Haftanstalten
VIII. Prozesse gegen Nazi-Verbrecher
IX. Nachkriegsgeschichte Pommerns

Museumssammlung
Einen Sonderteil der Archivbestände bildet die Museumssammlung, die über 1200 Einzelstücke zählt. Dabei handelt es sich um:
1. Lagergegenstände, die das Funktionieren des Lagers ermöglichten, wie Pritschen, Tische, Bänke, Schemel, einen „Operationstisch“ und andere Krankenbauausstattung, die Ausstattung des Krematoriums, Büchsen für Zyklon B, Peitschen, Häftlingskleidung, Schuhe, Schüsseln, Löffel sowie Gegenstände des persönlichen Gebrauchs, die den Häftlingen bei der Einkunft ins Lager abgenommen wurden;
2. Gegenstände des persönlichen Gebrauchs, die illegal im Lager von den Häftlingen hergestellt wurden, wie Messer, Kästchen und Kassetten, Zigarettenetuis, Aschenbecher, Nadeln;
3. Zeugnisse der illegalen Kunsttätigkeit der Häftlinge, wie Zeichnungen, Bilder, Porträts, geschnitzte Kassetten, Ringe, Siegelringe, Kreuzchen;
4. Kunstwerke der Nachkriegszeit, die mit der Märtyrerthematik verbunden sind und dem Gedenken an die Opfer des KL Stutthof gewidmet wurden, wie Skulpturen, Bilder, Zeichnungen, Grafiken, Plakate, Fotografien, Kunstinstallationen und Musikkompositionen.


Die Archivbestände werden für Forschungs- und Wissenschaftszwecke zugänglich gemacht. Eine vorherige Genehmigung ist erforderlich, die auf schriftlichen Antrag der an den Beständen interessierten Person vom Direktor des Museums erteilt wird. Das Museumsarchiv ist montags bis freitags von 8 Uhr bis 14 Uhr geöffnet. Eine vorherige Anmeldung ist empfehlenswert. Tel.: +48 55 247 83 53, Direktwahl 223.